Bildungslandschaft

Das Jean-Paul-Gymnasium in der Bildungslandschaft Frankens, Sachsens und Thüringens seit seiner Gründung

Es gehört zu den vielbeklagten historischen Phänomenen, dass die Stadt Hof niemals im Lichte besonderer Fürstengunst stand. Da die alte Bausubstanz zudem durch die zahlreichen „höfischen Brände“ weitgehend vernichtet worden ist, hat man daraus den Schluss gezogen, dass die Saalestadt nur über ein geringes kulturelles Erbe verfügt. Erst neuere Forschungen fördern die Erkenntnis zutage, dass die Stadt Hof jenseits der sichtbaren Zeugnisse fürstlicher Repräsentanz mit einer beachtlichen rechts- und geistesgeschichtlichen Tradition aufwarten kann, die größtenteils von einer aufgeschlossenen Bürgerschaft geschaffen wurde und bis zu einem gewissen Grade die mangelnde landesherrliche oder staatliche Unterstützung kompensierte. Aus dieser Wurzel stammt auch das Jean-Paul-Gymnasium, das sich zu rühmen vermag, eine der ältesten höheren Lehranstalten Bayerns sowie des mitteldeutschen Raumes zu sein. (...)

Bleibt die Frage nach der Stellung des Jean-Paul-Gymnasiums in der modernen Bildungslandschaft. Noch bis zum Ersten Weltkrieg besaß das humanistische Gymnasium einen weiträumigen Einzugsbereich, waren doch die nächsten vergleichbaren Schulen im Norden und Nordosten erst in Schleiz und Plauen, im Westen in Coburg und Bamberg und im Süden und Südosten in Bayreuth und Weiden zu finden. Dies änderte sich (...) während des 20. Jahrhundert schlagartig, so dass das Jean-Paul-Gymnasium bis zu den sechziger Jahren nicht nur in der Saalestadt durch zwei weitere Gymnasien (Schiller-Gymnasium und Johann-Christian-Reinhart-Gymnasium als ehemalige Höhere Töchterschule) Konkurrenz erhielt, sondern auch mit den Landkreisgymnasien von Hof (Münchberg und Naila) und Wunsiedel (Luisenburg-Gymnasium), Otto-Hahn-Gymnasium Marktredwitz, Gymnasium Selb rechnen muss. Quantitativ ist die gymnasiale Bildungslandschaft seit den siebziger Jahren kaum noch gewachsen, doch brachte ihre Differenzierung in verschiedene Ausbildungsrichtungen, aber auch die inzwischen fast überall eingeführte Koedukation noch einige Verschiebungen der Gewichte. Von diesen Variabilitäten wird wohl auch das Jean-Paul-Gymnasium noch profitieren, das bereits seit Mitte der sechziger Jahre einen neusprachlichen Zweig führt und seit dem Schuljahr 1994/95 sich auch „Musisches Gymnasium“ nennen darf. (...)

Die überregionale Bedeutung des Jean-Paul-Gymnasiums ergibt sich heute sowohl aus seiner humanistischen Tradition als auch aus seiner administrativen Rolle. Mit dem Amtsantritt von Oberstudiendirektor Dr. Dr. Julius Andreae kam das Amt des Ministerialbeauftragten für das höhere Schulwesen bzw. die Gymnasien in Oberfranken an das Jean-Paul-Gymnasium. (...) Welche Ehrenstellung damit diese Schule einnimmt, lässt sich daran ablesen, dass mit Ausnahme von Mittelfranken die Dienststelle des Ministerialbeauftragten immer am Regierungssitz angesiedelt ist.

Den Gesamttext, den OStD Dr. A. Herrmann für die Festschrift von 1996 verfasst hat, können Sie hier erhalten: