Ich habe einen Traum ...

Das neue Schuljahr hat wieder begonnen. Als Religionslehrer am Jean-Paul-Gymnasium ist die Vorfreude auf die kommenden Wochen und Monate groß. Die anstehenden Unterrichtsstunden, Exkursionen, Besinnungstage versprechen wieder viele interessante Gespräche, Gedanken und Aktionen.

Auf der anderen Seite sind auch Sorgen da. Wie wird das Verhältnis zum einen oder anderen Schüler, bzw. zur Kollegin und zum Kollegen? Lassen sich Konflikte für beide Seiten fair lösen?

Frühere Bilder und Erfahrungen tauchen auf, als manches nicht gut gelungen ist. Und besonders traurig stimmen Beobachtungen und Erlebnisse, da einzelne Schülerinnen und Schüler ausgegrenzt oder gar „gemobbt“ worden sind.

Gerade als diese Erfahrungen wieder an die Oberfläche kamen, lief im Radio ein Song, der mich sofort durch die ersten Textzeilen angesprochen hat: „One Day“ von Bakermat. In Anlehnung an die berühmte Rede des Baptistenpredigers Martin Luther King „I have a dream“, wird wieder einmal die Vision eines friedlichen Miteinanders entwickelt. Der Traum von einem harmonischen Zusammenleben.

Ein Traum, der auch für die Schule gilt: Schülerinnen und Schüler, die miteinander gut auskommen, die ein gutes, konfliktfreies Verhältnis zu ihren Lehrern haben, die sinnvoll und maßvoll von ihren Eltern unterstützt werden. Eine harmonische Gemeinschaft, die die Erziehung der Kinder und Jugendlichen fördert und ihr Leben bereichert.

Solche Träume sind nicht neu. Eine der sicherlich bekanntesten Visionen eines gewaltfreien Zusammenlebens ist die Utopie Jesajas ... Hier leben Tiere und Menschen friedlich miteinander, die sonst Todfeinde sind. (Jes 11,6-9)

Doch dann ist der Song zu Ende und ich wache wieder aus meinem Traum auf - mit einem resignierenden „Das geht ja sowieso nicht!“.

Doch warum eigentlich?

Manche Streitigkeiten und Konflikte entspringen Bagatellen. Sie beruhen auf Missverständnissen und Sprachproblemen. Und in einem vernünftigen Gespräch wären sie auch leicht zu lösen. Doch dagegen stehen Eitelkeiten und das häufige Bedürfnis nach Macht über den anderen. Der unbedingte Wille Recht haben zu wollen verhindert eine Aussöhnung.

One day ... Eines Tages ... Jeder Christ, jeder Mensch, ist dazu aufgefordert diesen Traum zu leben, ihn Wirklichkeit werden zu lassen. Getreu dem Motto: „Wenn einer alleine träumt, dann ist es nur ein Traum, wenn viele gemeinsam träumen, dann ist es der Beginn einer neuen Wirklichkeit.“

Träumen wir doch im kommenden Schuljahr gemeinsam diesen Traum!

September 2014

Georg Kaiser, Pastoralreferent