„Pauls Musikkiste" - Erstellung von Arbeitsheften für die Unterstufe

Primus ist „Überflieger und freche Note zugleich“. Verwegen-freundlich unter seinem schwarzen Hut hervorgrinsend lädt die hellgrüne Achtelnote ab sofort die Fünftklässler des Jean Paul Gymnasiums ein, kleine Spiele zu spielen, Aufgaben zu lösen und dabei ganz nebenbei die Grundlagen der Musiktheorie von Notenschlüsseln, Vorzeichen und Rhythmus über Intervalle, Dreiklänge, Tonleitern und Quintenzirkel bis hin zu Fachbegriffen und Instrumentenkunde zu lernen.

Hilfestellungen haben Alina Kugler und Leo Wehner (beide 5a, sitzend) nach der Übergabe von den Kursteilnehmern (v. l. stehend) Max Dollinger, Raphael Gruber, Johanna Seidel, Kursleiterin Susanne Müller und Nina Gläser-Popp (alle Q12) bekommen.

Ein Jahr lang haben die vierzehn Teilnehmer/innen des P-Seminars „Erarbeitung eines Musiktheoriehefts für die 5. Jahrgangsstufe“ aus der Q12 an „Primus – Das Musiktheorieheft für die 5. Klasse“ gearbeitet, bevor sie es am letzten Schultag vor den Weihnachtsferien druckfrisch an die Fünftklässler überreichen konnten. Doch wie kam es zu diesem Projekt-Seminar? „Im Lauf des musischen Gymnasiums haben wir festgestellt, dass die Schüler viel Übungsmaterial im Bereich Musiktheorie brauchen – aber das gibt es nicht in Form von Übungsheften wie in Mathe oder Englisch“, berichtet Seminarleiterin Oberstudienrätin Susanne Müller. Und so hat die Musiklehrerin nach einer Fortbildung mit einem Gedächtnistrainer beschlossen, selbst zusammen mit ihrem P-Seminar ein Übungsheft zu erstellen – und zwar unter Berücksichtigung der „vier S“: Spiel, Spaß, Spannung und Sinn.
„Ich konnte es zuerst gar nicht glauben, dass die Kleinen Rätsel machen wollen!“, erinnert sich Kursteilnehmer Max Dollinger; Nina Gläser-Popp ergänzt: „Es war wirklich schwer, sich acht Jahre zurückzuversetzen und zu verstehen, was die Kinder schon können und in welcher Form sie die Übungen ansprechen.“ Ziel war es dann, ein Übungsheft zu gestalten, das durch ansprechendes Layout und bunte Bilder Spaß vermittelt, die Kinder durch interessante Aufgaben und Rätsel fordert, sie zum Spielen einlädt und ihnen neben den Inhalten den Sinn der Musiktheorie näher bringt.
Basierend auf dem Musik-Lehrplan haben die angehenden Abiturienten die Themenfelder festgelegt und in kleinen Projektgruppen Aufgaben ausgetüftelt, in denen möglichst alle vier „S“ vorkommen. Gleich zu Beginn haben sie die Leitfigur „Primus“ zum Leben erweckt und im Verlauf immer wieder Aufgaben direkt an Unterstufen-Schülern getestet. Mit Primus wird die Musiktheorie tatsächlich zum lustigen Abenteuer: mal hat er Schnupfen und verhustet die Noten, mal schläft er über einer Aufgabe ein, die die Kinder dann zu Ende bringen müssen; mal müssen ihm die Nachwuchs-Musiktheoretiker helfen, mittels einer Kombination aus einer Mathe-Aufgabe und Intervall-Bestimmung den richtigen Schlüssel zu einer Schatztruhe zu finden.
Doch nicht nur der Inhalt war für die Projektgruppe zu bedenken. Zum einen hat das Layout, für das Raphael Gruber und Johanna Seidel verantwortlich waren, immensen Aufwand erfordert, mussten doch alle 32 Seiten zunächst in ein Noten-Schreibprogramm eingegeben und dann mit einem Layout-Programm weiterbearbeitet werden. Zum anderen musste Nina Gläser-Popp eine Druckerei finden, die die ersten 60 Exemplare des fertigen Opus zu einem möglichst günstigen Preis druckt. „Besonders toll war es, dass der Projektcharakter so stark herauskam: erst haben wir in kleinen Gruppen gearbeitet, dann alle zusammen, und jeder hat sich eingebracht“, erzählt Nina Gläser-Popp.
„Das Heft gefällt mir auf den ersten Blick sehr gut!“, urteilt Leo Wehder aus der 5a fachmännisch. Weitere Test-Möglichkeiten werden er und seine Klassenkameraden in den kommenden Monaten bis Schuljahresende zu Genüge bekommen, denn das ansprechende Heft kommt im Unterricht direkt zum Einsatz. Auch die Projektseminarteilnehmer sind zufrieden: „Wir sind sehr froh, dass mit dem Heft etwas rausgekommen ist, das jetzt tatsächlich auch genutzt wird – das ist nicht immer so bei P-Seminaren!“, freut sich Raphael Gruber. Johanna Seidel ergänzt: „Und es ist schön, etwas für die Schule gemacht zu haben, das bleibt, auch wenn wir weg sind!“

Artikel aus der Frankenpost KW 03-2015 von Christine Wild

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