„Bunt, bunter, Hof – Unsere Stadt schafft das“

Ein Hauch von Babelsberg am Jean-Paul-Gymnasium

Dienstagmorgen, Thanos-Kiessling-Bibliothek. Wo sonst die Leseratten des Jean-Paul-Gymnasiums in Gedichtbänden und Romanen des verstorbenen Hofer Schriftstellers und Künstlers schmökern, herrscht emsiges Gewusel.

Mikrophone und Faltreflektoren werden ausgerichtet, die Einstellungen an Kamera und Tonaufnahmegerät ein letztes Mal angepasst, während Dr. Oliver Bär testweise ein paar Worte spricht. Obwohl der Landrat inzwischen längst ein Profi ist und Interviews bei ihm an der Tagesordnung stehen, ist er nun doch ein wenig beeindruckt. Denn dieses Mal hat er es nicht mit professionellen Technikern der hiesigen Presse zu tun, sondern mit Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe elf, die hier wie selbstverständlich MP3/Wave-Recorder und digitale Spiegelreflexkamera bedienen, über unterschiedliche Einstellungsmöglichkeiten diskutieren und dabei einige der Tricks demonstrieren, die sie sich von Videojournalist Jakob Reuter abgeschaut haben, der sie bereits im Winter in die heiligen Hallen von TV Oberfranken eingeladen hatte.

Dr. Bär steht nun also wie vor ihm bereits Dr. Hans-Peter-Friedrich, MdB und Oberbürgermeister Dr. Harald Fichtner dem P-Seminar des Jean-Paul-Gymnasiums „Bunt, bunter, Hof – Unsere Stadt schafft das!“ Rede und Antwort. Es geht darum, einen Dokumentarfilm zu erstellen, in welchem das Schicksal der Flüchtlinge in und um Hof gezeigt, aber auch der Umgang der Stadt mit selbigen thematisiert wird. Die Elftklässler wollen festhalten, unter welchen Bedingungen die Menschen ankommen, welche bürokratischen Hindernisse sie überwinden, wie sie die deutsche Sprache lernen, welche Probleme sich ihnen bei der Suche nach einer Ausbildung oder einem Arbeitsplatz stellen, wie sie sich nach und nach in unsere Gesellschaft integrieren, ohne dabei aber die eigene Kultur zu verlieren, und wie sie die Sehnsucht nach ihrer Heimat verarbeiten. Es geht auch darum, einmal mehr zu zeigen, dass das JPG den Titel „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“ zu Recht trägt. Für das Projekt standen bereits mehrere Geflüchtete u.a. aus Syrien und Afghanistan, die Hofer Flüchtlingskoordinatorin Wendy Müller-Elliot, der inzwischen emeritierte Professor für Strafrecht und Rechtsphilosophie Reinhart Merkel, selbst ein ehemaliger Schüler des Jean-Paul-Gymnasiums, sowie zahlreiche Hofer Bürgerinnen und Bürger vor der Kamera.

Am vergangenen Donnerstag reiste die Schülergruppe mit ihren beiden Lehrkräften Tatjana Kober und David Sendelbach auf Einladung Elisabeth Scharfenbergs zudem nach Berlin. Dort beantwortete die Bundestagsabgeordnete im farblich passend grünen Hinterhof geduldig sämtliche Fragen zur Flüchtlingskrise und freute sich am Ende besonders, unter den Schülern mit Julia Geißler auch eines ihrer ehemaligen Patenkinder aus dem Parlamentarischen Patenschaftsprogramm wiederzusehen. Im Anschluss nahm sich MdB Wolfgang Bosbach noch einmal die Zeit für ein Interview und wünschte den Schülerinnen und Schülern des JPG viel Erfolg für ihr Filmprojekt.

Ende Mai sollen die Dreharbeiten nun abgeschlossen werden, sodass spätestens im Juni mit dem Schneiden begonnen werden kann. Im Herbst soll der fertige Dokumentarfilm dann veröffentlicht werden. Wie und wo möchten die Jean Paulaner zwar noch nicht verraten, aber Hof darf gespannt sein.

Zurück